Fehler sind ärgerlich – das ist klar. Doch was können wir dagegen tun? 

In unserem Beitrag „Fehlerursachen und die frustrierenden Folgen davon“ haben wir schon über die Gründe von Fehlern und deren Konsequenzen gesprochen. Um nun aber über die Frage nachzudenken, wie wir das verhindern können müssen wir zuerst zurück zum Ursprung – zurück zu den Fehlern.

Zehnerregel
Abbildung 1: Zehnerregel

Wo treten also Fehler auf? Wenn man den typischen Produktlebenszyklus betrachtet, dann ist die Frage leicht zu beantworten: in jeder Phase. Doch je später ein Fehler entdeckt wird, desto teurer wird er. Dies zeigt auch die Zehner-Regel (Abbildung 1). Das bedeutet: entdecken wir einen Fehler in den späten Phasen des Produktlebenszyklus, dann kostet uns dieser sehr viel mehr als wenn wir ihn am Anfang des Produktlebenszyklus entdecken. Das Praktische ist, dass tatsächlich auch 85% aller Fehler bereits in den ganz frühen Phasen entstehen. Das passt doch zusammen oder? Die meisten Fehler passieren am Anfang und diese Fehler sind dann auch noch günstiger zu beheben.

Doch warum geschieht dies nicht? Warum nehmen wir die hohen Kosten in Kauf, nur um einen Fehler später zu entdecken, als wir es eigentlich könnten? Meistens lautet die Begründung „Wir haben keine Zeit für Fehlerverhinderung“. Doch tritt dann ein Fehler in einer der späteren Phasen auf, haben Unternehmen plötzlich alle Zeit der Welt. Denn dann müssen Fehler zwangsweise korrigiert werden. Und genau das ist das Dilemma. Was ist nun die Konsequenz aus dieser Tatsache? 

Bekannte Fehler verhindern

Durch eine frühzeitige Verhinderung bekannter Fehler könnten signifikante Verbesserungen erzielt werden. Das klingt nicht nur logisch, sondern kann auch konkret umgesetzt werden. Stattdessen wird meist mit allen Mitteln versucht die Produktivität immer weiter zu steigern. Das erscheint zwar sinnvoll, hilft aber nicht, da geringe Produktivitätssteigerungen in keinem Verhältnis zu den Kosten eines einzigen Rückrufs stehen. Unternehmen können am meisten gewinnen, wenn sie sich konsequent damit befassen, bekannte Fehler zu verhindern.

Unbekannte Fehler entdecken

Alle unbekannten Fehler dagegen müssen so früh wie möglich entdeckt und analysiert werden. Ein unbekannter Fehler darf (muss!) also gemacht werden. Es muss jedoch sichergestellt werden, wie er in Zukunft verhindert werden kann, damit er nicht erneut auftritt. Wir müssen uns hin zu einer Lernkultur entwickeln, in der mit allen Beteiligten über Fehler gesprochen werden darf und jeder ein echtes Interesse daran hat, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu leben. Wird die Fehleranalyse jedoch eingestellt, sobald der Schuldige identifiziert wurde, hilft das keinem. Ganz im Gegenteil: genau dieses Verhalten führt zu einer Fehlervermeidungsstrategie der Menschen, bei der entstandene Fehler nicht transparent kommuniziert, sondern verheimlicht werden.

Fassen wir unsere Aussagen nun nochmal zusammen:

Fakt ist: 

  • Fehler kosten mehr je später sie im Produktlebenszyklus auftreten
  • Die meisten Fehler entstehen in den ganz frühen Phasen des Produktlebenszyklus
    → Die meisten Fehler sind kostengünstig zu verhindern

Das Problem ist:

  • Wir kümmern uns in den frühen Phasen nicht um die Fehlerverhinderung, weil wir keine Zeit haben
  • Wir müssen uns trotzdem irgendwann um die Fehler kümmern
    → Wir geben unnötig viel Geld für die Fehlerbehebung aus

Die Maßnahme daraus ist:

  • Wir müssen bekannte Fehler verhindern
  • Wir müssen unbekannte Fehler frühzeitig entdecken, beheben und dafür sorgen, dass sie in Zukunft verhindert werden

Klingt doch eigentlich ganz leicht oder? Doch wie kann dies tatsächlich in der Praxis gelingen? Was müssen wir tun, um die Maßnahmen auch umsetzen zu können?Wie können wir bekannte Fehler verhindern und unbekannte Fehler entdecken? Mit diesen Fragestellungen befassen wir uns in den nächsten Beiträgen unserer Null Fehler sind möglich Reihe.