Das Wort Blockchain ist in der Finanz- und Computerwelt in aller Munde. Aber keiner weiß so richtig, was das eigentlich ist.

Die Blockchain-Technologie sorgt für Gesprächsstoff über Industriegrenzen hinweg. Doch der Begriff bleibt weiterhin für viele von uns sperrig und unverständlich. Es gibt viele Definitionen, Artikel und Erklärvideos – häufig stellen diese jedoch nur eine Aneinanderreihung von Buzzwords dar. Ein Fremdwort mit anderen Fremdwörtern zu erklären, hilft üblicherweise nicht wirklich weiter. Daher wollen wir versuchen uns diesem Begriff leicht und verständlich zu nähern.

Was ist also eine Blockchain?

Abstrakt gesprochen ist eine Blockchain eine spezielle Datenbank, die Transaktionsdaten ohne zentrale Kontrollinstanz und ohne Notwendigkeit von gegenseitigem Vertrauen mit vollkommener Transparenz verwalten kann. Der Techexperte Jamie Skella hat diese Erklärung in seinem Artikel auf Linkedin „A blockchain explanation your parents could understand“ stark vereinfacht. Er beschreibt die Blockchain-Technologie als eine Art Kassenbuch. Sobald zwischen Absender und Empfänger eine Datentransaktion stattfindet, wird in das Kassenbuch eine neue Position eingetragen – ganz einfach und unspektakulär. Allerdings liegt dieses Kassenbuch nicht im Aktenschrank eines Buchhalters, sondern es existieren tausende Kopien des Kassenbuchs auf verschiedenen Computern rund um den Erdball. Sobald eine neue Position in diese Kassenbücher eingetragen wird, erscheint diese in allen Kassenbüchern und auf allen Computern weltweit. Jede eingetragene Zeile bleibt für immer und unveränderlich im Kassenbuch stehen und wird jedes Mal von hunderten von Computern authentifiziert. Dies macht die Blockchain – im Vergleich zu anderen Systemen – so gut wie fälschungssicher. Hierzu wählt Skella ein einfaches anschauliches Beispiel: John gibt Sue vor den Augen hunderter Menschen ein kleine Menge Geld. Alle Menschen die den Vorgang beobachten, können bestätigen, dass John Sue das Geld wirklich gegeben hat und auch welche Summe. Die Kontrolle über die Transaktion liegt somit in der Hand von hunderten Menschen und nicht mehr in der Hand von einem einzigen Akteur (wie beispielsweise einer Bank).

Wichtig dabei ist es zu verstehen, dass die Kontrolle ausschließlich über die Transaktion besteht, nicht aber darüber, wer John und Sue sind. Denn jeder Transaktionsteilnehmer in einer Blockchain ist anonym, es sei denn er möchte erkannt werden. Außerdem kann eine Blockchain Transaktionen jeder Art von Informationen umfassen. Sie ist nicht auf finanzielle Transaktionen beschränkt. Zudem kann eine enthaltene Information innerhalb einer Blockchain jederzeit nachvollzogen werden – auch für neue Teilnehmer.

Warum brauchen wir Blockchains?

Die Blockchain gilt als technologischer Enabler und kann dabei helfen, bestehende Prozesse schneller und kostengünstiger abzuwickeln. Sie erweitert den Handlungsspielraum über den Geldverkehr hinaus und gibt uns mehr technologische Möglichkeiten eine digitale Transaktion abzuwickeln. Payment-Experten bezeichnen die Blockchain als eine Revolution auf technischer Infrastrukturebene sowie auf Businessebene.

Das liegt vor allem darin begründet, dass durch die technische Konstruktion einer Blockchain die Unveränderbarkeit der Information sichergestellt werden kann. Es kann also zu jedem Zeitpunkt nachvollzogen werden, wann, warum und wie ein neuer Posten in das digitale Kassenbuch notiert wurde. Dies stellt einerseits sicher, dass digitale Besitzrechte zweifelsfrei festgestellt werden können. Andererseits kann aber auch gewährleistet werden, dass Original und Kopie eines Datensatzes eindeutig voneinander unterschieden werden können. Alle Transaktionen über Blockchain können somit ohne einen dedizierten zentralen Mittelsmann sicher abgewickelt werden.

Im Augenblick werden die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain jedoch noch sehr vorsichtig geprüft. Die derzeit bekannteste öffentliche Blockchain hat tatsächlich mit Geld zu tun. Sie bildet Transaktionen der bekannten Internetwährung Bitcoin ab und stellt somit eine Art Bitcoin-Kassenbuch dar, welches Bitcoin-Posten verschiedener Teilnehmer authentifiziert. Die möglichen Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie sind unendlich. Jedoch befinden sich die meisten Prozesse noch in der Entwicklungsphase. Ist einmal der Durchbruch gelungen, kann auch ein bisher klarer Schwachpunkt im Internetverkehr – die digitale Identität – durch die Blockchain rechtssicher festgestellt werden.

Dann könnten wir Verträge online abschließen oder sogar digital wählen gehen.