Neue Technologien oder Vorgehensmodelle einzuführen ist nicht immer leicht. Oft kommen Aussagen wie „Das geht bei uns nicht“ oder „Das kann hier nicht funktionieren!“ Doch woran liegt das und wie kann man es verhindern?

Die Gründe sind eigentlich recht einfach zu identifizieren: ein hoher Auto­mati­sierungs­grad kann bewirken, dass die Menschen über­fordert werden. Zusätzlich kommen weitere Widerstände von den Organisationen: beispielsweise werden IT-Systeme aufgrund der Erfahrung der Vergangenheit kritisch beurteilt. Es existieren Ängste, dass Risiken unterschätzt werden. Man fragt sich, ob die Erwartungen der Anwender erfüllt werden oder ob es nur ein weiteres teures und aufwändiges IT-Projekt ist, das nicht funktioniert.

Diese Ängste sind in gewisser Weise begründet, denn oftmals kommt am Ende ja tatsächlich nicht das heraus, was man erwartet hat. Woran das liegt? Die meisten erhoffen sich etwas, das eigentlich nur aus dem Zusammenspiel einer guten Software und einer guten Nutzung erreicht wird. Bei Industrie 4.0 ist eine der Erwartungen, dass die Fertigung sich selbst organisiert, die Aufträge dynamisch durch den Shop Floor gesteuert werden und alles miteinander kommuniziert. Gleichzeitig sind viele Unternehmen noch immer hierarchisch-tayloristisch organisiert und schnell wird deutlich: das passt nicht zusammen und führt zur Haltung: “Das kann bei uns nicht funktionieren!”.

DAS VERTRAUEN DER UNTERNEHMEN FÜHRT ZUM ERFOLG

Die Anwender müssen Verantwortung und Entscheidungen übernehmen dürfen. Nur dann können sie die vollen Potenziale auch nutzen. Dafür ist die Unterstützung und das Vertrauen ihrer Unternehmen notwendig. Eine agile Arbeitsorganisation mit iterativem Vorgehen der Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams ist hierbei ein hilfreicher Ansatz. Die Unternehmen müssen Sinn für die Arbeit stiften und das Denken und Handeln zusammenführen. Anwender auf allen Ebenen müssen zu Ent­schei­dun­gen befähigt werden – vom Werker bis zum Manager, vom Shop Floor zum Top Floor. Um es mit den Worten von Tim Ferris auszudrücken “Es ist erstaunlich, dass sich der IQ eines Menschen zu verdoppeln scheint, sobald man ihm Verantwortung überträgt und ihm das Gefühl gibt dass man ihm vertraut!”

Jeder muss das Gefühl haben, die Prozesse beein­flussen und treiben zu können, an­statt von ihnen getrieben zu werden. Das hilft, Vor­ur­teile und Misstrauen abzubauen. Durch ständig stei­gende Komplexität ist es zwingend notwendig, dass die Menschen nicht mit zu vielen und zudem sinn­losen Informationen überfordert werden und dass die ein­ge­setzten IT-Systeme intuitiv und bedarfsgerecht an­ge­wendet werden können. Es werden also die für die jeweilige Entscheidung notwendigen Informationen und Para­meter benötigt und im Idealfall auch die Konsequenz, die eine Entscheidung nach sich zieht. Durch das Ermöglichen der Entscheidungen wird der Weg hin zur Prävention möglich. Dafür muss die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort bei der richtigen Rolle sein. Sie muss einfach und intuitiv und aus vielfältigen Datenquellen und Infor­ma­tionen passgenau zusammengestellt sein. Das dynamische Ein- und Aus­blenden relevanter Infor­ma­tionen ist ebenso ein Muss wie der Einsatz ver­schiedener Technologien (Browser, Mobile, Tablet).

DIE ROLLEN DER MITARBEITER VERÄNDERN SICH

Doch was für Auswirkungen hat das für den einzelnen Mitarbeiter? Die Rollen verändern sich. Dieser Veränderung muss Rechnung getragen wer­den, indem man die Mitarbeiter zunächst einmal be­fähigt, diese Veränderung mitgehen zu können. Genau hier muss man ansetzen: Ausbildung, Weiter­bildung, Trainings – das gesamte Bildungssystem muss hinter­fragt werden, um dem Zeitalter der Digitalisierung gerecht zu werden.

Das Entscheidende: der Weg zur Null-Fehler-Produktion kann nur gemeinsam gegangen werden!